WEGEKREUZE


Wir bitten in dieser
friedlosen Zeit um den Frieden!
Für die Welt und ihre Völker.
Für die Länder
und ihre Menschen.
Für uns selbst
und unsere Herzen.

Dazu segne uns Gott der Allmächtige,
der Vater, der Sohn
und der Heilige Geist.
Amen

 

 

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Du lässt mich nicht fallen Herr,
Du mein Gott,
Du lässt mich nicht im Stich,
Du überlässt mich nicht dem Tod,
In Dir bin ich sicher,
Auch in allen Wirren der Zeit.

Du hast mich geschaffen,
Du bist mein Gott,
Du bleibst mein Gott,
Für immer, ein für allemal.

 

Ein Liebeslied!

Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer,
Wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.
Frei sind wir, da zu wohnen und zu gehen.
Frei sind wir, ja zu sagen oder nein.

 

Myriaden von Liedern und Dichtungen gibt es über die Liebe. Kein Song-Festival, keine wie immer geartete Veranstaltung - (neudeutsch Event genannt)- kommt ohne die Verherrlichung dieser menschlichen Sehnsucht nach Erfüllung des Lebens  aus. Ist ja auch klar, die Liebe ist das beherrschende Merkmal unseres Daseins.

Die wohl bekannteste Dichtung sind wohl die Worte des Paulus: »Und wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz und eine klingende Schelle.«
Hier können wir gleich zustimmen, das klingt eben gut. Und doch beschleicht mich beim Lesen dieser Texte ein ungutes Gefühl. Es hört sich gut an, sicher – aber zu gut um wahr zu sein.

»Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf«, und dann: »sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.«

Spätestens hier bin ich raus aus dem Spiel. Eine solche Liebe habe ich nicht und habe sie nie gehabt. Vielleicht würde ich sie gerne haben, vielleicht auch nicht einmal das: alles ertragen? alles glauben? alles hoffen und alles dulden?
Das ist wirklich zu viel des Guten. Mir fehlt etwas an diesem Text. Er ist mir irgendwie zu dogmatisch. »Hätte der Liebe nicht« – kann ich Liebe überhaupt jemals haben, besitzen? Natürlich: Wenn ich mich aufblähe, ist von Liebe nicht mehr allzu viel zu spüren. Aber gibt es da wirklich keinen anderen Spielraum?

Ganz anders geht es mir mit einem anderen Liebeslied, das es in unser Gesangbuch geschafft hat. »Herr, deine Liebe«. Viele, und vor allem viele Theologen und Kirchenmusiker mögen dieses Lied nicht.

 Und in der Tat, es ist auch ungewöhnlich, dieser Text ist vielsagender als andere »kirchliche Liebeslieder«  Ich selbst, das bekenne ich ehrlich, ich liebe dieses Lied! Vielleicht liegt es daran, dass ich damit sehr früh religiös verbunden wurde? Kann sein, aber ich glaube es nicht, das ist es nicht wirklich. Ich liebe dieses Lied, weil es so gar nichts Dogmatisches und Korrektes mitbringt. Es ist für mich wie ein Strandspaziergang, wie wehende Haare und Freiheit und Ferien und die rauschenden Wellen und Sonne und Wind auf der Haut und und und …

Wie das Land, das ich liebe, so auch das Lied »Herr deine Liebe«. Und dabei spüre ich schmerzhaft, dass ich in dieser Welt gefangen bin.
Unser versklavtes Ich ist ein Gefängnis.
Klingt ein wenig pathetisch, aber ist doch wahr: Immer wieder treten uns dieselben Menschen in die Hacken!

Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden,
Freiheit, aus der man etwas machen kann.
Freiheit, die auch noch offen ist für Träume,
Wo Baum und Blume Wurzeln schlagen kann.

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Immer wieder werden wir von denselben eigenen Macken ausgebremst. Immer wieder sehen wir das Ende des Regenbogens, und wenn wir knapp davor sind, dann verschwindet er. Wie ungerecht scheint uns das Leben doch zu sein, immer trifft es uns, womit haben wir das denn verdient! Aber wir werden aufgefangen, von Gott, von seinen Händen.

In diese Hände befehle ich meinen Geist. Nein, viel mehr: Ich werfe mich in seine Arme, wie ich mich in die Wellen werfe – in der Hoffnung, dass sie mich tragen, dass ich nicht untergehe, sondern lebendig bleibe. Und ob es gelingt, das kann ich nur wissen und erfahren, wenn ich es immer wieder probiere und wage und tue.

Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen,
Und nur durch Gitter sehen wir uns an.
Unser versklavtes Ich ist ein Gefängnis
Und ist gebaut aus Steinen unsrer Angst.

Und dann wieder: »Gott, wenn du uns frei sprichst, dann ist Freiheit da. Freiheit, sie gilt für Menschen, Völker, Rassen.«  Mit diesem guten Gefühl wende ich mich wieder dem Hohelied der Liebe zu, und da fängt es für mich an zu leuchten. Es kommt nämlich nicht darauf an, dass ich etwas habe oder mich um etwas bemühe:

Dass ich Weisheit erlange und dann auch noch Liebe, dass ich alles Wissen hätte und die Geheimnisse kenne und allen Glauben hätte und dann noch die Liebe dazu. Aber auch das Gegenteil stimmt nicht: Dass ich auf Weisheit und Glauben und all das verzichten könnte und nur die Liebe bräuchte und dann wäre alles gut. Denn die Liebe kann ich nicht erlangen. Ich kann mich ihr nur aussetzen wie dem Wind und den Wellen und der Freiheit des Meeres. Und wenn ich die Liebe nicht spüre, dann kann es durchaus sein, dass ich irgendwo bin, wo sie tatsächlich nicht weht. Man kann sich damit sogar abfinden, kann sich einrichten in einer Welt ohne Liebe, kann sagen: Habe zu viel zu tun und überhaupt – gibt es das überhaupt, den Ort, wo die Liebe weht?

Herr, du bist Richter. Du nur kannst befreien.
Wenn du uns freisprichst, dann ist Freiheit da.
Freiheit, sie gilt für Menschen, Völker, Rassen,
Soweit wie deine Liebe uns ergreift.
Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer,
Wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.

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 Kann man sich einrichten in einer Gegend voller Hass und Angst – und mir scheint, dass diese Regionen in Deutschland immer größer werden. Es gibt es solche Orte in jeder Stadt. Es lohnt sich zu fragen, wo sie sind. Es lohnt sich, sie zu suchen. Und woran erkenne ich, dass ich an einem solchen Ort bin? Na, ganz einfach: Dort, wo die Menschen geduldig sind und gütig. Wo sie mir ihre Meinung nicht mit Gewalt aufdrängen wollen, wo sie nicht prahlen und sich nicht aufspielen.

Ja, ja, ich weiß: Diese Orte bekomme ich nicht in Reinkultur. Aber an der Nordsee sieht es auch nicht ständig so aus wie in der Jever-Werbung. Es ist dort mal nass und mal kalt und mal nasskalt. Und das Meer gerade dann weg, wenn man es mal braucht. Aber das macht nichts. Es ist das Meer, es ist die Freiheit. Es ist das Leben. Man kann es spüren. Und dann, dann bricht wieder die Sonne durch, und alles ist gut.

Und so ist es auch mit der Liebe: Jetzt ist alles nur unvollkommen. Unser Handeln ist durchwachsen von allen möglichen zweifelhaften Motiven. Unser Erkennen ist stückweise – wir kennen nur wenig vom Anderen, von uns, von Gott. Und genau das macht unsere Liebe aus: Dass wir nicht meinen, dass wir schon alles wüssten. Dass wir unseren Nächsten nicht in Schubladen stecken. Dass wir neugierig bleiben und offen für Überraschungen. Dass wir Gott suchen. Unsere eigene Liebe ist unvollkommen, und das ist gut so. Aber es gibt eine Liebe, die vollkommen ist. Sie ist immer da, und wir leben von ihr, wie wir von der Sonne leben. Und genauso wenig, wie wir uns nicht ständig der Sonne aussetzen können, würde diese Liebe uns verbrennen, wenn wir ihr ständig ausgesetzt wären. Wir brauchen einen Ort, zu dem Menschen kommen können, wenn sie die Liebe suchen. Eigentlich ist es ganz einfach. Und dann doch wieder ganz schwer, unter den Bedingungen dieser Welt. Aber wir sind auf dem Weg. Es ist ein Weg, den wir nicht alleine gehen. Viele Menschen gehen ihn mit – und mit uns geht Gott.

Er behüte uns auf all unseren Wegen!